Literaturklassen im Goethe Institut, Boston
|
2003 - 2004 |
Das Klassenthema ist diesmal "Widerstandliteratur" in der Zeitspanne 1933-1945.
Die Klassenleiterin hat dafür eine Yahoo " Widerstandsliteratur Discussion Group " gegründet, in der wir Gedanken und Materialien austauschen können. Um daran teilzunehmen, muß man zwar ein Yahoo-Mitglied werden, aber das ist kostenlos. Wit hatten die Klasse mit " Moabiter Sonette " von Albrecht Haushofer angefangen. Sie waren von ihm während seiner Gefangenschaft im Moabit geschrieben, nach seiner Hinrichtung gerettet, and dann veröffentlicht. In dem Sonett " Gefährten " sind acht Namen angegeben (ohne Vornahmen), so hatte ich ein bischen nachgeforscht und gelernt daß alle am Widerstand teilgenommen hatten, und eventuell hingerichtet wurden, dabei auch Max Plancks Sohn Erwin.
|
|
2003 - 2004 |
Wir hatten Auszüge von drei Werken gelesen, Werke von Autorinnen der ehemaligen DDR.
Ein Antrieb dafür ist daß das Goethe-Institut diese drei im Oktober dieses Jahres einladen wird, um Vorlesungen zu geben.
Für mich wird ein anderer Blick in die DDR als der meiner Verwandten interessant sein. Andererseits kann ich auch der Klasse behilflich sein, ein bischen aus dem Leben vier Verwandtenfamilien in der DDR zu schildern. Claudia Rusch: Meine freie deutsche Jugend Nicht grade Literatur, aber Rusch erzählt, oft mit Humor, manchmal mit Wut, über ihr Aufwachsen als Kind in der DDR. Ihres war eine ungewöhnliche Familie, durch ihre Freundschaft und Beziehungen mit Robert Havemann und Wolf Biermann, und ihrer Friedensgesinnung dem Staat und der Stasi verdächtig. Julia Franck: Lagerfeuer (Roman) Am Anfang hatten wir drei kürze Auszüge gelesen - Teile von Kapiteln, nicht einmal ganze. Diese hatten eigentlich niemandem gefallen - es wurde einem bewußt daß die Autorin versucht Literatur zu schreiben anstatt eine Geschichte zu schildern. Christa Wolf: Ein Tag im Jahr Für ungefähr dreiundvierzig Jahre, ab 1961, hielt Christa Wolf ein Tagebuch, in dem sie ganz genau und ausführlich, in jedem Jahr, den 27. September beschrieb. Sie ist wohl die bekannteste und beliebteste Autorin der DDR. Das Buch is vielfältig - es gibt einen Blick in das Leben einer Schriftstellerin, der das Denken und Schreiben zum wahren Leben notwendig ist, und schildert auch die Gedanken einer überzeugten, aber auch idealistischen, Sozialistin die überzeugt war daß sie nicht im Westen leben könnte. Deshalb sollte ihre Kritik der DDR, besonders über die Leitung, der Verbesserung ihres Staates dienen.
|
|
|
Klassische deutsche Kurzgeschichten (Reclam)
Eine neue Sammlung von 33 ausgewählten Kurzgeschichten, zusammen mit anderen Materialien. Außer den in-der-Klasse-gelesenen enthielt dieses Band noch andere interessante Geschichten. Manche Klassenteilnehmer äußerten sich das diese Geschichten meistenteils zu schwermütig waren, daß sie alle mit dem Nachkriegsthema handelten, und daß zu viel in ihnen zu deuten war (d.h., man konnte sie nicht bloß als Erzählungen lesen). Mir gefällt grade diese Literaturanalyse mit ihrem Tiefblick, und die Nachkriegszeit fasziniert mich nach wie vor - natürlich hat das mit meinen eigenen Erfahrungen zu tun. Ich merke aber daß das nicht dieselbe Bedeutung für andere hat - was mich noch erschüttert wird von ihnen leicht übergangen. Er ist zu erwarten daß wir in folgenden Klassen den Weg wechseln werden. Ilse Aichinger: Die geöffnete OrderAndere Geschichten in dieser Sammlung, die wir nicht für die Klasse gelesen hatten:Eine spannende Geschichte die gut wirkt selbst wenn man sie ohne viel Analyse liest. Aber bei Aichinger ist das nie so leicht. Man liest religiöse Andeutungen, über einen vorausgesagten Weg, über von Mißtrauen erweckte Handlungen die durch Zufall, aber auf natürlichem Weisen geändert werden.Ilse Aichinger: SeegeisterDrei kurze Geschichten in dieser einen Geschichte - was haben die gemeinsam mit einander? Analyse und Diskussion in der Klasse waren sehr behilflich das alles klarer zu machen. Es schien daß die Hauptpersonen in allen dreien sich von der Umwelt und anderen Menschen isolierten, und daß das ein Übergang zum Sterben war. Der erste wurde nicht mehr von Familie und Freunden vermißt; die zweite fing an ohne Sonnenbrille zu verschwinden, versteckte sich sonst hinter ihr; der Matrose bestand eigentlich nur als Amtsschild an der Mütze.Kurt Tucholsky (Peter Panter): Frauen sind eitel, Männer? Nie - ! (1928) Martin Walser: Templones Ende - Der Schriftsteller erhielt einen Preis der Gruppe 47 für diese Geschichte.
|
|
|
|
|